Mikrophonierung

Musikalischer Erfolg

Der Erfolg und die Freude am gemeinsamen Musizieren hängen bei Chören, Gesangssolisten und Instrumentalensembles von drei Faktoren ab:

  • Künstlerische Qualität
  • Akustik des Konzertsaales
  • Qualität der elektroakustischen Verstärkung (sofern nötig)

Die künstlerische Qualität prägen die Akteure mit Ihrem Dirigenten selbst.

Die Akustik der Aufführungsorte ist kaum bestimmbar – eines können wir aus der Erfahrung sagen: Viele Mehrzweckhallen würden besser Unzweckhallen heißen, weil sie keinem der angedachten Zwecke wirklich vollständig gerecht wird. Bei anderen Stadthallen ist es nicht einfach: Einige Säle verfügen über akustische Eigenschaften, die für perkussive Musik geeignet ist („trockene Akustik“). Einem Chor oder Instrumentalensemble fehlt da der nötige Raumklang (Nachhall) um ein zur Musik passendes Klangerlebnis zu ermöglichen. Andere Hallen haben lange Nachhallzeiten, hier wird es für perkussive Musik nicht einfach.

Über die Qualität der elektroakustischen Verstärkung entscheidet der Beschallungsunternehmer oder der Auftraggeber.

Beim letzten Aspekt gibt es sehr viele Optionen, um für Raum und Künstler optimale Lösungen zu finden. Mit diesem Thema beschäftigen wir uns seit vielen Jahren. Wir, das sind aus meinem Team die Dipl. Tonmeisterin Dina Pohl und ich. Die Thematik um das Thema Beschallung unter schwierigen akustischen Bedingungen spielt auch in unserm Verband (Verband Deutscher Tonmeister) eine wichtige Rolle und ich hatte Gelegenheit, unsere Erfahrungen im Rahmen von Vorträgen, Fortbildungsveranstaltungen und Workshops an Kollegen weiter zu geben.

In loser Folge möchte ich über die wichtigsten Aspekte berichten – über all die Punkte, die für ein gutes Ergebnis nötig sind. Was gehört dazu? Im Einzelnen sind es:

  • Mikrofone und Mikrofonierung
  • Signalverarbeitung
  • Lautsprecher

Heute will ich mit dem Thema Mikrofonierung beginnen.

Für Solisten gibt es eine Vielzahl an brauchbaren Mikrofonen, wir setzen auf AKG, Sennheiser und Neumann. Insbesondere für gute Gesangssolisten verwenden wir gerne das Neumann KMS 105, ein echtes Kondensatormikrofon mit herausragendem Klang, für Männer- und Frauenstimmen gleichermaßen geeignet. Und nebenbei: Das berühmte Shure SM 58 ist bei uns nicht mehr zu finden…

Wie mikrofoniert man einen Chor richtig? Wir haben sehr unterschiedliche Konzepte erprobt. Der klassische Weg von Tonmeistern/innen ist, je ein Mikrofon für Sopran, Alt, Tenor und Bass zu verwenden. Das ist angelehnt an die Vorgehensweise, die erfolgreich für Aufnahmen eingesetzt wird. Bei größeren Chören werden hier ggf. auch zwei Mikros pro Stimme genutzt.

Als nachteilig bei dieser Vorgehensweise erweist sich, dass gerne prädestinierte Einzelstimmen aus dem homogen Klangbild hervor klingen. Das liegt daran, dass geringere Abstände zwischen Chor und Mikrofon von Nöten sind, als beim Aufnehmen. Außerdem führt von hinten oder schräg hinten kommender Schall gerne zu Problemen mit akustischen Rückkopplungen.

Ein weiterer Ansatz ist es, mit sehr vielen Mikrofonen zu arbeiten (Polymikrofonie). Hier gruppieren sich immer drei bis vier Sänger/innen um ein Mikrofon. Das Verfahren erfordert es, möglichst homogene Kleingruppen zusammen zu stellen. Außerdem muss der Toningenieur oder Tonmeister am Mischpult sehr konzentriert eine präzise Mischung erstellen, insbesondere bei Gestaltung einer Tiefenstaffelung sind Verzögerungszeiten zwischen vorderen und hinteren Mikrofonen zu planen.

Wir haben beide Verfahren – und Zwischenlösungen – über viele Jahre in der Praxis durch spezielle Mikrofonauswahl (wir setzen inzwischen auf Großmembran-Kondensatormikrofone) und ausgefeilte Aufstellungen optimiert.

Dennoch: 100% zufrieden waren wir nicht.

Wir fanden einen Hersteller (Earthworks), der ein ganz spezielles Chormikrofon entwickelt hat. Das Besondere an diesem Kondensatormikrofon ist seine bisher nicht gekannte und von keinem Hersteller bisher realisierte Richtcharakteristik. Das gelang durch eine spezielle Bauart (patentiertes Konzept) und spezifische Komponenten für den Bau der Mikrofonkapsel. Das Mikrofon hat einen nahezu perfekten halbkugelförmigen Schallaufnahmebereich mit einer außergewöhnlichen Dämpfung der von hinten kommenden Schallereignisse. Hier ein Link zum Hersteller: http://www.earthworksaudio.com/microphones/flexwand-series-2/

Wir haben in drei solcher Mikrofone investiert und bereits eine Reihe von sehr, sehr guten Erfahrungen gesammelt. Es ist ohne weiteres möglich, mit nur drei Mikrofonen einen 60 Stimmen starken Chor abzunehmen und zu verstärken. Das Besondere daran ist, dass es neben einer präzisen Tiefenstaffelung möglich ist, einen Chor auch räumlich (horizontale Abbildung) darzustellen. Dazu hatten wir mit einem Mitarbeiter eines Fraunhofer-Instituts (Institut für digitale Medientechnik, IDMT, Ilmenau) in einem Workshop Konzepte erarbeitet. Das IDMT beschäftigt sich u.a. mit dem Themenbereich dreidimensionaler Klangwelten.

Wie funktioniert das genau? Alle Mikrofone laufen auf je zwei Kanäle im Mischpult auf. Die Wiedergabe erfolgt je über den rechten und linken Lautsprecher – jedoch, je nach Mikrofonposition – mit einem bestimmten Zeitversatz. Das führt beim Zuhörer zur räumlichen Wahrnehmung, ohne dass die Lautstärke auf einem Kanal vermindert werden muss. Das würde nämlich dazu führen, dass z. Bsp. ganz rechts sitzende Zuhörer ganz links singende Sänger kaum hören könnten. Die genauen Algorithmen verraten wir nicht… :-)